Grünkern aus dem Bauland
» Herstellung - damals

Grünkernernte - so war's bis etwa 1960

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Man muss sich das so vorstellen: Die Groß-Familie rückt an mit allen hilfsbereiten Freunden und Nachbarn, idealerweise an einem heißen, trockenen Tag. Und just an diesem heißen Tag müssen die Dinkelkörner einen bestimmten Weichegrad (die sogenannte Michreife) aufweisen; sie dürfen auf keinen Fall hart und ausgereift sein. Es gab immer nur wenige Tage an denen der Grad der Milchreife und Wetter akzeptabel waren.

Der Dinkel wurde zuerst mühevoll mit der Sichel in kleine Hämpfele (schlanke Büschel) geschnitten, in der Regel war das Frauenarbeit. Die Hämpfele wurden kreuzweise gelegt, und meist von Kindern den Männern an der Reffe gereicht, die sie durch einen auf der Reffe angebrachten Riesen-Eisenkamm zogen. Die Ähren fielen in den Kasten und das Stroh wurde sorgsam gebündelt; damit machte man sogenannte Seiler, mit denen man die Garben auch anderer Getreidearten zusammenband. Endlich ging es mit den Säcken voller Ähren zur Darre, wo sie auf einem Rost über Holzfeuer gedärrt wurden. Nun mußte nur noch im Lagerhaus/der Gerbmühle der Spelt weggegerbt werden - und der Grundstoff für so viele Delikatessen war fertig.

(Für Erklärungen bzw. Beschreibungen der fremden Begriffe klicken Sie im Bild oben auf die gelb markierten Worte!)

 

 

Wollen Sie das alles "LIVE" anschauen, dann klicken Sie auf den Filmstreifen!

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Die Reffe
auch Reffkasten genannt, muß man sich als einen Holzkasten mit einem knappen Kubikmeter Inhalt vorstellen. An ihm ist ein kammartiger, eiserner, engzahniger Rechen so installiert, daß man kleine Büschel von Dinkelähren durchziehen kann, wodurch die Ähren vom Halm gerissen werden und in den Kasten fallen, von wo sie in Säcke gefüllt werden.

reffe

Was sind Hämpfele?
Das sind kleine, mit der Sichel geschnittene Büschel von Dinkel, bestehend aus ca. 40 bis 50 Halmen, die in mühevoller Arbeit geschitten, kreuzweise abgelegt werden, bis sie an der Reffe durch den Eisenkamm gezogen werden, so daß die Ähren  -von den Halmen gerissen- in den Reffkasten fallen.

Die Sichel - das Ernteinstrument
ist ein ziemlich kleines, halbkreisförmiges Schneideinstrument, mit dem man relativ wenig Halme gleichzeitig schneiden kann und tief gebückt arbeiten muss.

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Die Darre

Die Säcke mit den Ähren mussten möglichst rasch zur Darre gebracht werden, da sonst eine qualitätsbeeinflussende Gärung einsetzen konnte. Die Grünkerndarren waren scheunenartige kleine Gebäude, die wegen der Feuergefahr außerhalb vom Dorf gebaut wurden. Der Unterbau bestand aus Ziegelsteinen mit einer eingebauten Feuerstelle. Die Darre selbst (über der Feuerstelle, siehe Bild) war zwischen 4 und 12 qm unterschiedlich groß und bestand aus einem durchlöcherten Eisenblech, auf das die Spelzähren geschüttet wurden. Das durchschnittliche Fassungsvermögen der Darren im Boxberger Raum bestand aus 8 bis 10 Säcken, jeder ca. 40kg wiegend. Geheizt wurde überwiegend mit  trockenem Buchenholz bei Temperaturen von 100, höchstens aber 130 Grad C. Die Wärme (mit Rauch) stieg nach oben und bewirkte das Rösten der Spelzähren. Der Prozeß dauerte zwei bis drei Stunden, wobei ständig umgeschaufelt werden musste um Verbrennungen auszuschließen. Während der Grünkernernte waren die Darren Tag und Nacht in Betrieb. Eile tat Not!

Die gerösteten Ähren wurden wieder in Säcke geschaufelt. Dabei muß die Temperatur unter 90 Grad gesunken sein, sonst konnte es nachträglich noch zu Verbrennungen kommen. Der nächste Weg führte nun in die Gerbmühle. Hier wird auch heute noch der Grünkern von den anhaftenden Spelzen getrennt.. Die Spelzen wurden verfüttert, der Grünkern einer Qualitätskontrolle unterzogen und dann als Korn, Grieß, Schrot oder Grünkernmehl verkauft.
Grünkerndarren sind heute noch einige wenige vorhanden, aber kaum noch genutzt.
(aus: Dr. Otmar Schickle, Die Grünkerngewinnung - einst und heute)

 

Und das Beste war das Vespern im Freien!

vespern

 

Woher ich das alles weiß?

Ich war dabei!

 

Die Grünkernernte in bewegten (und für manche auch in bewegenden) Bildern:

Alle drei Filme wurden 1973 von Heinz Kesel auf Super8 aufgenommen und von mir auf Video übertragen. Bei der Übertragung kam es zu Qualitätsverlusten; erwarten Sie also keine HD-Movies ;-)

Kommentator aller drei Filme im Boxberger Dialekt ist ein Boxberger Original, Richard Pers, der selbst viele Jahre lang Grünkern produziert hat.

Richard Pers und einige andere, die den Boxberger Dialekt bewahrt haben, können Sie auch "LIVE" auf meiner Mund-Art-Homepage erleben.

 

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.:  Dr. Helmut Karl Ulshoefer - Gruenkern-Country - Utopia  :.

 

 

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