Grünkern aus dem Bauland
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Die Heimat des Grünkern

Deutschlandweit bekannt ist das Gebiet in Nordbaden und Nordwürttemberg eigentlich nur durch zwei Dinge: Durch den fehlgeschlagenen Versuch von Mercedes-Benz, hier in den 80er Jahren eine Teststrecke zu bauen und durch das Meistermacher-Fechtzentrum in Tauberbischofsheim. Aber die eigentliche Berühmtheit des Baulandes, von Spöttern auch "Badisch-Sibirien" genannt, ist der Grünkern - einmalig in vielerlei Hinsicht.

 

karte

 

 

Das Bauland liegt zwischen Heilbronn und Würzburg, etwas genauer zwischen Odenwald, Tauber, Jagst und Neckar, einem Gebiet mit wenig Industrie und herben Muschelkalkböden - ideal für den genügsamen Dinkel.

Zentren der Grünkern-Produktion sind Boxberg und Altheim

Bemerkenswert ist, dass obwohl Dinkel in vielen Gegenden Deutschlands angebaut wird, er aber nur in einem vergleichsweise winzigen Gebiet (siehe Karte) zu Grünkern verarbeitet wird.

 

Und hier ein Gedicht in Boxberger Mundart von Ilse Freudenberger
aus dem gerade erschienenen Band
"Sou wie'sch g'saadt hewwe
unn wie'sch no sooche" S.48-50

Grünkernernte 1960

Mir wouhne, des is ja bekannt,
do hinne im badische Hinnerland,
gnau san mer do her, wu mer zu de Hase Hosche
un zu de Hose Housche secht.
un wu mer im Summer den gröne Kern mecht.
Wie gsat, mir baue Dinkel un for der Ährn
mecht mer devou den gröne Kern.
E Ärwet is, des wisse d Leut
drüm welle die Fortschrittsbauern heut
von dem Gschäff gor net viel mei wisse,
der Preisuffschloch hots grod empor no grisse,
an d Handarweit, do wellesch halt net drou,
drüm fängt mer jetzt a scho mit Maschiene ou,
mit Mähwer un Binner prowiert mers fescht,
un jeder mont, seins wär des Bescht,
als ob mit de Maschiene des Glück wär kumme
d ganz Romantik is debei verschwunne.
Awer mir gehne nouni mit dere Mode
un bleiwe no bei der alte Methode.
Owends vorher werd die Reffe naus de Acker gfohrn,
daß morchens losch gehn konn, die Zeit konn mer schporn.
Die Nachbersleut un Freunde all
die helfe mit uff jeden Fall
daß alles flott von statte geht
schi wärn beleidicht, wann mersch net mitnemme dät.
Die Weibsleut schneide un duhn die Hampfel schö uf Haufe setze,
der Herle is debei, der muß die Sichel wetze
die Männer schbatze neid Hänn un reffe druf losch
`Wer mecht denn heut wider die Hampfel sou groß?'
`Un wer hot denn widder sou gflucht beim säwe?'
sonscht häts net sou viel Dischel gewe!
Schpretzt en Kolwe naus, do werd sich schnell gebückt.
S Stroh derfmer net verschlorkse, do werde Saaler gschtrickt.
Is en Sock voul, do is mer froh,
zugedeckt werd er mit Schtroh
mer guckt noch der Sunn, daß er im Schatte leit
san vier Säck voul, ja dann is Veschperzeit.
Do geits Dörrflasch, Glumbe, Schtreiche, Wurscht,
Tee, Mouscht un Kaffe for de Durscht.
Ner nouglangt fescht un net geniert
sonscht kümmt zu kurz, wer lang sich ziert.
Awer s Allerschönscht bei dere Erwet is un bleibt,
wer duts verroote
nets Esse un Trinke, nets Buckel broode
net frische Luft, net Langeweile
s Schönscht is un bleit doch des Verzeihle
wann mer ausgiebich, net eloo
durchhecheln konn die halwe Gmoo!-
Als erschts werd gekocht, des san dene Weibsbilder ihr erschte Sache
von de Kernbohne gehts ou, bis zum Markklösli mache,
seller Bäck hots beschte Brot,
raache dut die wie en Schlot,
wie en Schträußhoofe hot die en Hut,
was mer em beschte neis Gfrierfach dut,
der Blumestouck der blüht recht schö,
dene ihrn Dinkel is a no recht grö,
die will e neus Lämple, der en Rasierapperat
die neue Schuh, selli e neus Klaad,
dem sei Auto is a widder hie,
dem hot gekalbt e Kuh heut früh,
dene ihrn Göiker dut unnern Mischt sou verkratze,
der will ko Ebirn, bloß lauter Schpatze,
die läßt sich a scho widder scheide,
den Mou, den kon i a net leide.
die Frucht, die hewe d Hosche recht versaut,
die hewe im Garte schöns Gmüs und schöns Kraut,
mir hewe Retti, langi un runde,
die hewe Kindsdaaf de nechschte Sunti,
die geht a recht oft zum Friseur,
der hot mit seim Gaul e rechts Malheur,
der hot en Fernseh, die e neus Bad,
der kriecht en neue Bulldog, der Nochber hots gsaat,
mein Oufekoonze der gröt mer gut,
des will net howe, daß mer Roseili neidut.
I geh e mol neis Schwimmbad, des guck i mer ou,
die 50 Pfenni die wooch i mol drou!
Un bei allem verzeile, des glaabt mer woul,
san im Nu die Säck scho voul,
un kriecht mer derfür no e Häufle Geld,
en Narr, wems Grönekerngschäff net gfällt!

 

Und hier das Gedicht zum Hören.

 

Eine Idee von der herben Schönheit der Heimat des Grünkern bekommen Sie durch das nachstehende Bild und die Dia-Show, die beginnt wenn Sie auf das Bild klicken.

boxberg

 

 

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.:  Dr. Helmut Karl Ulshoefer - Gruenkern-Country - Utopia  :.